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WELCHE FOLGEN HAT DER BREXIT FÜR DEN IMMOBILIENMARKT?

11.08.2016

Seit den frühen Morgenstunden des 24. Juni steht fest: Das britische Volk hat entschieden, aus der Europäischen Union auszutreten. Welche Folgen für die internationalen Immobilienmärkte zu erwarten sind, haben wir in diesem Überblick für Sie zusammengestellt.

Nachdem sich die erste Post-Brexit-Aufregung gelegt hat, wurden in UK politisch die nächsten Schritte bereits unternommen. Dies erleichtert auch Prognosen für die unterschiedlichen Wirtschaftssektoren.

Für den Immobilienmarkt in der Schweiz erwarten wir kurz- bis mittelfristig keine grösseren Auswirkungen durch den Brexit-Entscheid. Falls es aufgrund eines anhaltend schwachen Euros zu einem gebremsten Wachstum unserer Wirtschaft kommen sollte, ist langfristig betrachtet davon auszugehen, dass auch die Preise für Wohneigentum leicht korrigieren, gerade in strukturschwächeren Regionen. Zürich nimmt dabei generell eine Sonderstellung ein: Dort werden aufgrund der Standortattraktivität, bestehend aus Lebensqualität, wirtschaftlicher Stärke und der damit verbundenen anhaltenden Zuwanderung, die Preise gleich bleiben oder zulegen, unabhängig von den Entwicklungen in UK.

Lage in GB
In Grossbritannien konnten wir in den ersten Wochen nach dem Entscheid eine Überreaktion beobachten, vor allem bei Fonds, die auch Retail- und Privatkunden offenstehen. Wir erwarten für diesen Bereich eine baldige Beruhigung. Der britische Immobilienmarkt besteht grundsätzlich aus zwei Teilen: Greater London – und der Rest. Die Preise in Greater London werden vom Brexit-Entscheid kaum betroffen sein. Die einzigartige Stellung dieser Metropolitan Region unterliegt nur beschränkt einer Abhängigkeit vom Euro-Raum. Selbst der Banken- und Finanzplatz London dürfte aufgrund der allgemeinen Unsicherheit nur vorübergehend in Mitleidenschaft gezogen werden. Trotzdem scheint in Anbetracht der anhaltenden Bautätigkeit bei Investitionen in Büroliegenschaften eine gewisse Vorsicht geboten. Der zu erwartende Rückgang des Wirtschaftswachstums sowie die durch die allgemeine Unsicherheit bedingte Reduktion der Investitionstätigkeit werden sich am deutlichsten im peripheren England und insbesondere in den exportorientierten Regionen auswirken. Es ist davon auszugehen, dass schwergewichtig der Sektor Handel und Verkauf unter Druck geraten wird. Schottland haben wir ohnehin nie als einen interessanten Markt für Investitionen betrachtet, insofern hat sich hier kaum etwas verändert. Dasselbe gilt für Irland, welches zwar nicht Teil Grossbritanniens ist und den Euro hat, aber geografisch, wirtschaftlich und kulturell zur gleichen Region gehört. Die irischen Immobilienpreise waren stets sehr volatil, deswegen sind nach dem Brexit weitere Korrekturen nicht auszuschliessen und Anlagen nur für Investoren mit grosser Risikotragfähigkeit geeignet.

Vor diesem Hintergrund raten wir derzeit von wertsteigerungsorientierten Value-Added-Investitionen in UK eher ab und konzentrieren uns noch stärker auf ertragsorientierte und somit risikoärmere Core-Investitionen. Dies bedeutet aber nicht, dass sich in UK – besonders in London – keine Opportunitäten ergeben können. Entsprechend intensiv sollte man diesen Markt derzeit beobachten. Dabei spielt auch der entstandene Druck auf das Pfund, der neue Möglichkeiten eröffnen kann, eine wichtige Rolle. Ob und in welchen Sektor man derzeit in UK investiert, hängt von der Risikotragfähigkeit und vom Risiko-Appetit des Anlegers ab. Wer seinen Schwerpunkt auf stabile Investments im schweizerischen Markt gelegt hat, kann unter Umständen für einzelne Positionen im Ausland durchaus andere Risikoklassen in Kauf nehmen. Abhängig vom Anlageziel sollte dann die Währung  mehr oder weniger grosszügig abgesichert werden.

Klarer Fahrplan wünschenswert
Der negative Effekt auf das Wirtschaftswachstum im kontinentalen Europa dürfte über die nächsten zwei Jahre wesentlich geringer sein als in UK. Deshalb erwarten wir kurz- bis mittelfristig kaum spürbare Auswirkungen des Brexit-Entscheids auf die europäischen Immobilienpreise, wobei der Büro- und Retail-Sektor ein wenig stärker reagieren könnte als der Wohnsektor. Um die Märkte weiter zu beruhigen, wäre eine zügige Abwicklung des Brexit wünschenswert – oder mindestens ein klarer Fahrplan dafür. Bei länger andauernder Unsicherheit oder weiteren «Austrittskandidaten» wird eine negative Reaktion der Märkte wahrscheinlicher. Deswegen gilt es, die weitere Entwicklung detailliert zu verfolgen und die Anlagestrategie gegebenenfalls anzupassen. Auf das globale Wachstum und somit die Immobilienmärkte in den USA, Asien und Pazifik hingegen dürften die Auswirkungen des Brexit kaum spürbar sein. Für alle Fragen zu diesem Thema stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung

Adimmo AG
Christian P. Michel