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Wie verändert Corona die Immobilienbewirtschaftung?

16.02.2021

Immobilienbewirtschaftung ist ein «people’s business» und steht gerade deswegen vor neuen Herausforderungen aufgrund der gegenwärtigen Corona-Lage.

Die unterschiedlichen Massnahmen und Entwicklungen im Zusammenhang mit Covid-19 haben im vergangenen Jahr Veränderungen in beinahe allen Lebensbereichen mit sich gebracht. Die Bewirtschaftung von Wohnliegenschaften und Geschäftsimmobilien stellt hier keine Ausnahme dar. Welche neuen Challenges ergeben sich ganz konkret? Wie haben sich die Bedürfnisse und Ansprüche von Mieterinnen und Mietern gewandelt? Und wie wird man dieser Ausgangslage im Alltag gerecht? Unsere Eindrücke und Erfahrungen mögen Ihnen einen Einblick in die tägliche Praxis und unsere grundsätzlichen Beobachtungen geben.

Immobilienbewirtschaftung wird (noch) digitaler

Die Kontaktbeschränkungen seit Beginn der Pandemie haben zu einer verstärkten Nutzung digitaler Kanäle für den Informationsaustausch und die Kommunikation im Allgemeinen geführt. Dabei dürfen wir ganz offen festhalten: Anfangs war für alle Beteiligten eine gewisse Lernphase erforderlich, doch mittlerweile haben sich die Abläufe sehr gut eingespielt.

In diesem Zusammenhang erwies es sich als grosser Vorteil, dass wir bei Adimmo in den vergangenen Jahren die Digitalisierung mit viel Engagement vorangetrieben haben und damit bereits über eine ausgezeichnete Ausgangslage verfügten. Die schnell wachsende Erfahrung mit Homeoffice und den entsprechenden Tools hat auch bei Mieterinnen und Mietern zu einer Selbstverständlichkeit im Umgang mit den diversen Anwendungen geführt, was die Akzeptanz unserer Angebote erhöhte und den Shift zusätzlich befeuerte. Auch die Mobilität und Flexibilität unserer Mitarbeitenden hat in den vergangenen Monaten noch einmal deutlich zugenommen. 

Als Ergebnis haben sich neue Kommunikationskanäle in der Immobilienbewirtschaftung etabliert. Ein erfolgreiches Beispiel dafür sehen wir etwa im «Tenant Operations Center», das den Bewohnerinnen und Bewohnern des CityGate-Areals zur Verfügung steht. Diese Community App fördert nicht nur den digitalen Austausch innerhalb der Liegenschaft, sondern erleichtert in gleichem Mass den Kontakt zwischen den Bewohnern und der Verwaltung. Gleichzeitig haben auch bereits bekannte Werkzeuge wie virtuelle 360-Grad-Besichtigungen durch die veränderte Situation noch einmal einen deutlichen Boost erhalten und leisten unverzichtbare Dienste in der Vermarktung von Immobilien. Gerade vor dem Hintergrund erschwerter Vor-Ort-Termine kann deren Bedeutung nicht genug betont werden.

Alle unsere Mitarbeitenden beachten bei ihren Tätigkeiten die Vorgaben des BAG und nehmen Rücksicht auf speziell geäusserte Bedenken einzelner Mieter. Im Segment der Erstvermietung werden wir den neuen Anforderungen nach Abstand und Sicherheit mit speziellen Prozessdefinitionen und zusätzlichem Personal erfolgreich gerecht.

Neue Bedürfnisse bei Mieterinnen und Mietern

Die Massnahmen des Bundes und die Vorsicht der Bevölkerung haben dazu geführt, dass die Menschen mehr Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen. Dies gilt für die Freizeit ebenso wie für das Arbeitsleben, das sich in vielen Fällen ganz oder teilweise ins Homeoffice verlagert hat. Damit einher gehen neu entdeckte Bedürfnisse, wie zum Beispiel der Wunsch nach einem zusätzlichen (Arbeits-) Zimmer, nach einem Balkon, den man bisher nie vermisst hatte, oder nach einer grösseren Küche. Aus diesem Grund erlebten wir im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele Wohnungswechsel. Insgesamt hat sich die Vermietungsquote im privaten Bereich positiv entwickelt. Die in den meisten Regionen ohnehin nicht besonders hohe Leerstandsquote ist noch weiter gesunken.

Gleichzeitig ist die Zahl der Beschwerden von Mieterinnen und Mietern gestiegen. Dies lässt sich zum Teil durch die längere Anwesenheit in den eigene vier Wänden erklären. Doch wir stellen auch eindeutig eine gewisse «Erschöpfung» fest, die sich in der Bevölkerung bemerkbar macht und zu schnelleren Reklamationen führt. Diese gehen völlig unabhängig von der Tageszeit ein – eine Begleiterscheinung der bereits angesprochenen ausgeprägten Nutzung digitaler Kommunikationsangebote. Verwaltungen sehen sich als Folge davon mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Zum einen müssen ihre Mitarbeitenden sich auf Personen einstellen, die sich durch die gegenwärtige Situation grundsätzlich gestresster fühlen. Zum anderen wird häufig eine umgehende Antwort auf Nachrichten erwartet, was unter Umständen wiederum den Einsatz entsprechender digitaler System wie beispielsweise Chatbots erfordert.

Herausforderung Geschäftsimmobilien

Im Gegensatz zum privaten Segment hat sich die Vermietung von Geschäftsimmobilien wenig überraschend rückläufig gezeigt. Nicht nur geraten Unternehmen aufgrund der Einschränkungen in wirtschaftliche Schwierigkeiten; es zeigt sich auch eine deutlich grössere Vorsicht beim Abschluss von Mietverträgen. Hier sind Eigentümer gefordert sowohl für bestehende, als auch für potenzielle Mieter Lösungen zu finden respektive mit kreativen Ideen die Zeit zu überbrücken, bis für die Unternehmen wieder mehr Planungssicherheit besteht. Mit diesen Fragen werden wir uns in den kommenden Monaten auch hier in unserem Blog eingehend befassen.

Adimmo AG
Adriano Di Nunzio
Immobilienbewirtschafter mit eidg. Fachausweis